Love Exposure – 愛のむきだし


Es gibt Filme, mit denen rechnet praktisch niemand. Doch wenn es passiert, ist die Überraschung umso größer, wie dieses Mammutwerk von Sion Sono beweist. Von manchen Leuten wegen seiner unvereinbaren Themen im Trailer noch belächelt, haben die 237 Minuten mit ihrem Auftritt auf der Berlinale gleich mal einen Hit gelandet, verdienterweise den Caligari- und Fipresci-Preis abgeräumt, und legt nun auf diversen Filmfestivals in aller Welt und durch REM auch in Deutschland/Österreich einen regelrechten Hochflug hin.



Yu Tsunoda (Takahiro Nishijima) ist ein ganz normaler Siebzehnjähriger, der in der Grundschule aber bereits seine Mutter verloren hat, die ihn zuvor gebeten hat, seine persönliuche Maria zu finden. Sein Vater Tetsu (Atsuro Watabe) hat sich daraufhin noch stärker dem Christentum verschrieben und ist Priester geworden. Eigentlich könnte man so ja glücklich vor sich hinleben, allerdings taucht dann plötzlich die schrille Kaori Fujiwara (Makiko Watanabe) auf, die sich in Tetsu verliebt hat. Die Beiden fangen eine Beziehung an, doch aus einer möglichen Hochzeit wird wegen dem PRisteramt nichts, also haut Kaori ab und Tetsu sieht die Menschen nur noch von ihrer schlimsmten Seite. Yu verliert dadurch die Bindung zu seinem Vater, weshalb er schließlich anfängt, immer größere Sünden zu begehen, um sie zu beichten und überhaupt mit ihm sprechen zu können. Doch nichts führt auch nur annährend zu einer Reaktion, und schließlich lernt er durch 3 Freunde Master Lloyd kennen, der ihn in die hohe Kunst der Panty-Shots einführt. Innerhalb weniger Wochen entwickelt Yu sich zu einem echten Ass, sein Vater scheuert ihm dafür eine und zieht aus. Die Fotos bewirken allerdings nichts bei Yu, seine Maria findet sich nicht. Ein paar Wochen später kehrt Kaori zurück und hängt sich wieder an Tetsu. Yu Freudne lernen derweil die Techniken schließlich auch, und einer schlägt ihn beim besten Shot, wofür die ihm nun ein Sasori-Kostüm überstreifen und auf die Straße schicken, die erste x-beliebige Maria zu küssen, die ihm begegnet. Schließlich findet er Yoko (Hikari Mitsushima), umringt von Schlägern, die er mit erledigt, sie küsst und gleich mal seine erste Errektion kriegt.

Klingt schonmal nach viel Handlung, ist aber nur die 1st von den 4 wohl wundervoll kurzweiligsten Stunden der Kinogeschichte, die zu keinem Zeitpunkt langweilen oder für zufallende Augen sorgen. Hier gibts erste Liebe und verschrobene Perversionen, Martial-Arts, Christentum und Sekten, Terrorismus und Rache, Freundschaft und Familie, viel Gewalt (teilweise schmerzvoll unter die männliche Gürtellinie) und Sex in all seinen Formen. Anleihen gibts ganz offensichtlich an Sasori, die Feministin des japanischen 70er Jahre Exploitations, und Szenen, die genauso gut einem farbigen Stummfilm entstammen könnten, ebenso wie Sonos persönliche Version vom Ende von Kubricks 2001 mit dem Effekt eines Uhrwerk Orange. Es lacht, es weint, schreit, blutet, kämpft und gibt nie auf, das alles und noch ein Haufen mehr ist dieses Magnus Opum vom Regisseur vom gruseligen Exte und dem erschütternden Suicide Circle. Sänger Takahiro Nishijima schlägt sich in seiner ersten wirklich großen Rolle ungemein gut, sei es nun in Frauenklamotten oder auf der Flucht mit einer Riesenerrektion. Hikari Mitsushima gibt hier die Yoko, zuvor war sie als Sayu, Lights Schwester, in den beiden Death Note-Filme zu sehen; gibt sich hier draufgängerisch, ängstlich, verliebt und besorgt und das alles mit einer überzeugenden Wucht. Als Sektenmitglied gibts sich Sakura Ando als Aya die Ehre, die im Hintergrund die Fäden zieht und ihren Wahnsinn gut zu verstecken weiß. Neben der darstellerischen und Handlungsseite punktet auch die Musik: hier gibts den klassischen Bolero und Beethoven, Hardrock und J-Pop, die unglaublicherweise perfekt miteinander harmonieren.

Love Exposure ist ein bisschen so, wie das Leben. Es ist voll von den verschiedensten Eindrücken, Menschen und Situationen, die einen selbst und andere beeinflussen. Die stärksten Emotionen sind hierbei natürlich die Liebe, aber auch Wahnsinn und Obsession. Es lohnt, sich sich durch diesen Film durchzubeißen, der ganz korrekt schräg sein darf (und alles prächtig mitenander verknüpft) und für die Liebe kämpft.
Ansehen, um zu wissen, was gutes berührendes Kino heißt. Oh ja.

Kinoplan bei REM/Offizielle deutsche HP
Offizielle Japanische HP

Die Deutsche DVD erschien bei REM im hübschen Schuber mit leider nicht entfernbarem FSK-Flatschen, dafür gibts aber neben dem auf 2 Scheiben verteilten Film auch noch ein nettes Booklet, gut 20 Minuten an Deleted Scenes und eine 28 minütige Doku zur Entstehung. Der Film kommt ganz im O-Ton in DD 5.1 mit zuschaltbaren deutschen Untertiteln und ganz ansehnlicher Bildqualität. Lohnt sich also durchaus für die knapp 17€, für die es bei den meisten Händlern angeboten wird.

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